Chinesische Arzneimitteltherapie

Nach einem ausführlichen Erstaufnahmegespräch wird eine individuelle Rezeptur zusammengestellt, die in der Regel drei bis zehn chinesische Arzneimittel (Kräuter, Mineralien und selten tierische Produkte) beinhaltet. Sie werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin

  • in 16 verschiedene Gruppen unterteilt. Dementsprechend haben sie unterschiedliche Aufgaben im menschlichen Organismus, die je nach Diagnose kombiniert werden;
  • in ihrer Funktionskreiszugehörigkeit nach Fünf-Elementen-Lehre voneinander unterschieden. Je nach Funktionsorgan, in dem die Störung vorliegt, werden die Kräuter ausgewählt;
  • nach Richtungs- (das Qi nach oben bringend, emporhebend oder absenkend) und Temperaturverhalten (warm bis heiß oder kühl bis kalt) klassifiziert;

Beispiel: Die Arzneien mit heißem Charakter oder diejenige, die das Qi emporheben können, rufen bei Gesunden (bei fehlender Indikation) Hitzewallungen, Unruhe, Schlafstörungen oder Herzklopfen hervor. Die kalte und absenkende Qualität kommt dabei durch vermehrtes Wasserlassen, breiigen Stuhl, Rücken- oder Knieschmerzen zum Ausdruck.

Je nach Konstitution des Patienten und nach individuellem Ansprechen wird die Dosis der zusammengestellten Rezeptur angepasst.

Die chinesische Arzneitherapie stellt bei chronischen Erkrankungen die entscheidende Methode dar. Sie bietet die Möglichkeit, den pathologischen Prozess von hinten her aufzurollen und in rückwärtiger Richtung abzuarbeiten.

Die chinesischen Rezepturen können auch bei der bestehenden Behandlung mit konventionellen (pharmazeutischen) Medikamenten gegeben werden. Hierbei wird häufig eine allmähliche Reduktion dieser Medikamente vorgenommen. Es gibt gute Erfolge vor allem im Ausschleichen von Schmerzmitteln, blutdrucksenkenden Medikamenten, Schilddrüsenhormonen. Die Nebenwirkungen von Chemotherapeutika, Bestrahlung, Narkose- und Schmerzmitteln können erheblich abgeschwächt werden.

Die Arzneimittel kommen als sogenanntes Dekokt (Absud) zur Anwendung und sollen schluckweise über den Tag verteilt eingenommen werden. Die Patienten können die Arzneimitteldekokte selbständig zubereiten. Sie erhalten hierzu von mir eine Kochanweisung. Die chinesischen Arzneimittel gibt es auch in Form von Granulaten.

Die chinesischen Arzneipflanzen werden zum Teil in China, zum Teil in Deutschland  kontrolliert-biologisch angebaut und in Deutschland auf ihre Reinheit und Zusammensetzung geprüft, bevor sie durch spezialisierte Apotheken vertrieben werden.

Das Krankheitsbild baut sich in der Regel über lange Zeit auf, durchläuft verschiedene Formen und Symptome. Um diesen veränderten Zustand wieder ins Gleichgewicht zu bringen, wird der Organismus durch die chinesische Arzneitherapie zum rückläufigen Prozess veranlasst.

Die TCM, welche in meiner Praxis zur Anwendung kommt, wurde im Laufe von über 30 Jahren durch praktische Erfahrung und Forschung der deutschen TCM-Ärzte an die westliche (deutsche) Bevölkerung angepasst. Dies stellt einen ganz wichtigen Punkt der Therapie dar, der nicht allen Patienten bewusst ist. Die Dosierungen der chinesischen Arzneimittel, die zur Behandlung meiner Patienten angewandt werden, betragen einen Drittel bis Zehntel derjenigen der klassischen TCM, die in China zur Anwendung kommt. Wenn unsere Patienten klassische Dosen von chinesischen Kräutern bekommen, werden sie damit schlichtweg überfordert, und die Erkrankung wird noch schlimmer gemacht. Außerdem können die krankheitsauslösenden Faktoren einer und derselben Erkrankung in Deutschland im Vergleich zu China völlig unterschiedlich sein (ganz anderes Klima, andere Mentalität, Erziehung, Lebens- und Ernährungsweise, Aufbau des sozialen Systems etc.), so dass die Therapieempfehlungen der klassischen TCM nicht angewendet werden dürfen.